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Ein bisschen Piratenpartei, ein bisschen alles andere

Akkreditierung für ein Piraten-Meinungsbild-Tool

Derzeit wird in der AG Meinungsfindung der Piraten Rheinland-Pfalz über die Einführung eines Tools für Meinungsfindung, -bildung und -bilder diskutiert. Um nicht in hoch-philosophische, aber letztlich fruchtlose Debatten abzurutschen wurde dabei Wert auf einen möglichst pragmatischen Ansatz gelegt und erst einmal damit begonnen, sich die verschiedenen zur Verfügung stehenden Tools genau anzugucken. Es stellt sich aber immer mehr heraus, dass eine grundlegende Positions-Bestimmung, was dieses Tool überhaupt erreichen soll, nichtsdestotrotz notwendig ist.

In den bisherigen Blog-Beiträgen habe ich bereits folgende Themen behandelt:

Was wollen wir?

Es ist eine grundsätzliche Entscheidung, ob wir eher einen Ersatz für Mailinglisten und Foren suchen, in dem man irgendwie etwas strukturierter diskutieren kann, oder ob wir tatsächlich qualifizierte Meinungsbilder als Hinweis an den Vorstand, als auch öffentliches Abbild der Diskussion in der Partei und als „Vortest“ für Parteitags-Anträge haben wollen.

Ersteres würde eher dem im letzten der oben verlinkten Beiträge angedachten Debatten-Portal entsprechen. Ja, so etwas brauchen wir – sogar relativ dringend. Die momentan in der AG diskutierten Tools – Adhocracy, LiquidFeedback und LimeSurvey sind dafür aber, denke ich, nicht oder nur sehr bedingt geeignet, da ihnen allen eine Strukturierung sehr unterschiedlicher Inhalte – von rohen Ideen und nackten Quellenverweisen über ungeordnete Essays und Rants bis zu schon relativ weit gediehenen Antrags-Entwürfen fehlt. Die gute Nachricht ist, dass wir so etwas auch auf Bundesebene brauchen, eine „große“ Lösung also vielleicht auf breiterer Basis entwickelt werden kann.

Erst einmal möchte ich aber letzteres haben – eine Möglichkeit, Meinungsbilder eines möglichst großen Teils der aktiven Piraten streng nach dem Prinzip „ein Pirat, eine Stimme“ – mit einer möglichst sicheren Überprüfung der Teilnahme-Berechtigung – zu erheben.

Die Akkreditierung

Um eben diese sichere, vertrauenswürdige Teilnehmer-Überprüfung zu realisieren, ist eine Akkreditierung der Piraten für die Teilnahme notwendig. Für das Bundes-LiquidFeedback wurde – auch und gerade auf Druck des Teils der Piraten, die auf mehr „Datenschutz“ gedrungen haben – ein sehr komplexes System aus Generalsekretär, Clearing-Stelle und LqFb-Admins geschaffen, das aber eine recht hohe Teilnahme-Hürde aufbaut. Piraten warten z.B. Monate auf einen Zugang. Auf der anderen Seite ist auch mit diesem System nicht unbedingt sichergestellt, dass Piraten z.B. nach einem Austritt zeitnah der Zugang entzogen wird, da dieser Prozess auch wieder Generalsekretär, Clearing-Stelle und LqFb-Administratoren einschließt. Es erhöht auch die Manipulations-Möglichkeiten, da (dann unbenutzte) Zugangs-Codes auch an weitgehend inaktive Mitglieder ausgegeben werden.

In Berlin wird gerade heftig darüber debattiert, zur verlässlicheren Akkreditierung eben aus diesen Gründen eine zumindest für angemeldete Benutzer sichtbare Zuordnung zum Klarnamen vorzusehen und eine Vorstellung auf einer Versammlung zu verlangen. So etwas möchte ich nicht, auch wenn ich mir die Teilnahme an einem solchen System gut vorstellen kann, wenn eine Mehrheit das anders sieht.

Für ein Meinungsbild-Tool für RLP schlage ich folgenden Mechanismus zur Akkreditierung vor:

Eine Zuordnung zwischen Accounts und Partei-Mitgliedern ist so niemandem ohne Mitwirkung des jeweiligen Piraten möglich. Ein Pirat behält die Möglichkeit, im System abzustimmen, höchstens für einen Freischaltungs-Zeitraum nach Austritt oder Verlust des Stimmrechts (was durch die Nicht-Zuordnung nicht zu verhindern und meiner Meinung nach zu verschmerzen ist).

Diese Akkreditierungs-Methode ist unabhängig davon, ob wir uns für Adhocracy, LiquidFeedback oder ein ganz anderes System entscheiden und auch unabhängig davon, ob wir Delegationen zulassen oder nicht.

Comments

Posted by etz_B at
Schade. Das LqFb-Bashing scheint mir weiterhin unangebracht. LqFb ist gerade in hervorragender Weise geeignet, gemeinsam an der Entwicklung von Texten zu arbeiten. Über Anregungen und die angebotenen Links zu einer Piraten-Wiki-Seite »Diskussion zum Thema« lassen sich sowohl Vorschläge für eine konkrete Weiterentwicklung eines Themas unterbreiten, als auch (auf der Wiki-Seite) eher grundlegende Kritik. Nicht zu vergessen, dass zu jeder Initiative im gleichen Thema auch Gegeninitiativen eingebracht werde können. Mir scheint die von einigen geübte Kritik nur darauf zurückzuführen, dass sie die Möglichkeiten des Systems nicht verstanden, erprobt und angewendet haben.

Die Grundvoraussetzung für ein moderationsloses System der kollaborativen Arbeit an Texten und Positionen ist allerdings, dass die Beteiligten für jeden einzelnen anderen Beteiligten nachvollziehbar sein müssen. Das gilt insbesondere dann, wenn ein solches Thema mit einem quantifizierten Meinungsbild abgeschlossen werden soll. Darüber hinaus muss klar und für jeden nachvollziehbar sein, dass die Accounts mit realen Personen verknüpft sind, auch dann, wenn sie sich nur über Delegation oder mit eigenem Votum an den quantitativen Ergebnissen beteiligen wollen. Gegen jede andere Form eines Freischaltens von Accounts entsteht notwendigerweise und sofort der Verdacht, hier würden Sockenpuppen generiert.

Unklar ist mir überdies, ob für jede »Freischalt-Periode« ein neuer Benutzername gewählt werden kann, oder ob die Namenshistorie für alle Nutzer des Systems nachvollziehbar sein soll. Die Unantastbarkeit der Namenshistorie scheint mir ebenfalls unverzichtbar.

Von den drei im Blogbeitrag genannten Systemen bietet allein LiquidFeedback die sinnvolle Lösung für die Anforderungen.

Natürlich kann man andere Systeme entwickeln, und ich würde das auch durchaus begrüßen, aber die Konkurrenz existiert halt und sie ist in ihren Anwendungsmöglichkeiten entsprechend »mächtig«.
Posted by HeptaSean at
etz_B: Du bekommst noch eine längere Antwort. Jetzt nur kurz: Für Deine Anforderungen nach „Nachvollziehbarkeit“ der Beteiligten und Unantastbarkeit der Namens-Historie ist mir die Grundlage nicht klar. Eine durch Akkreditierung auf einem regulären Parteitag sichergestellte Eigenschaft „Ist ein Pirat“ reicht mir. (Sonst hätte ich auch ein Problem, Parteitags-Beschlüsse zu akzeptieren.)

Und damit ich's nicht vergesse noch dieser wichtige Einwand, der über Twitter kam: „Kannst du noch erläutern, was man machen kann, wenn die eigene Stimme manipuliert wurde?“ Das verdient eine längere Antwort, zu der jetzt die Zeit fehlt.
Posted by HeptaSean at
In diesem Zusammenhang auch interessant:
http://www.johannesponader.de/drupal/acquia-drupal-1.2.33/node/11

Johannes beschreibt ein Verfahren, das eine Art Briefwahl der Mitglieder statt meiner obigen Bindung an Veranstaltungen benutzt. Außerdem setzt er auf asymmetrische Kryptographie: Es wird, statt einfach einen vorher angelegten Account zu legitimieren (wie in meiner Variante oben), der öffentliche Schlüssel eines Schlüssel-Paares in die Wahlurne geschmissen.

Der große Vorteil ist, dass alle öffentlichen Schlüssel bekannt gegeben werden können und dann jeder die abgegebenen Stimmen gegen diese checken kann. Eine eventuelle Beschwerde über Unregelmäßigkeiten kann ebenfalls damit verifiziert werden. Dies ist (im Rahmen der Sicherheit asymmetrischer Verschlüsselungs-Verfahren) sicher, solange der Teilnehmer seinen geheimen Schlüssel sicher verwahrt.

Vielleicht ist auch eine Kombination beider Verfahren möglich.

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